Freitag, 26. Januar 2024

Kumaden: Gebrauchtwagenparadies im Land des Feuers

Dritter Stadtverkehrsbetrieb in Kumamoto ist die Kumamoto Denki Tetsudo (Kumamoto Electric Railway, kurz Kumaden). Wie der Name schon impliziert ist das Unternehmen eigentlich eine Bahngesllschaft, die zwei 1909 eröffnete elektrifizierte Vorortstrecken im Norden der Stadt betreibt. Beide Linien treffen sich an der Station Kita-Kumamoto, wo sich auch das Depot befindet. Dass Rollmaterial ist sämtlichst gebraucht übernommen, was auch für viele Busse gilt. Der Kumaden-Busbetrieb bedient ebenfalls das nördliche Stadtgebiet, die Linien tragen den Kennbuchstaben C. 

Mitusbishi AeroStar MP38FK 1295 wurde 2016 neu in Dienst gestellt. Mit ihm wurde diese aktuelle Lackierung der Kumaden-Busse eingeführt.

Hino Blue Ribbon City 1265 vom Baujahr 2002 trägt noch die alte Buslackierung von Kumaden. Er stammt von Keikyu aus Yokohama.

Der Hino Rainbow HR ist das beliebteste Fahrzeug bei Kumaden. 1148 ist ein 2001er Bus der von Tobu Bus aus Saitama stammt. Er biegt hier gerade zum Bahnhof ein.

Etliche Rainbow HR tragen schon die neue Lackierung, wie 1455. Der 2003 gebaute Bus stammt vom Keisei-Unternehmen Chiba Kaihin Kotsu.


Vor dem JR-Bahnhof steht Isuzu Erga 1552 von 2005, auch er ein Gebrauchtkauf von Keikyu.

Kumaden 1355 ist ein UD Trucks (früher Nissan Diesel) SpaceRunner RM mit einer NSK B-96MC-Karrosserie. Der 2003 gebaute Bus stammt von Shin-Keisei Bus in Funabashi (Präfektur Chiba).

1999 fabrikneu zu Kumaden kam Hino Blue Ribbon/NSK B96MC 3293.

Die Kumaden-Bahnflotte besteht auch ausschießlich aus sehr interessanten Gebrauchtfahrzuegen, die alle noch in Originallakierung unterwegs sind. In den letzten Jahren kaufte man vor allem bei Tokyo Metro ein, 01636 fuhr früher unter derselben Nummer auf der Ginza Line. Er wurde bereits dort nach dem Erdbeben 2016 innen und außen mit Kumamon-Motiven verziert.

03831 war in der Hauptstadt dagegen auf der Hibya Line unterwegs. Er rollt hier gerade in Kita-Kumamoto ein, im wunderschön restaurierten Bahnhofgebäude residiert die Kumaden-Verwaltung.

Zug 1009 lief früher bei Shizutetsu in Shizuoka. Man beachte die Fahrleitungskonstuktion mittels Holzmasten!

Auch aus Tokyo, aber von Toei stammt 6111. Der 1968 gebaute Zug befuhr die Mita Line und ist seit 1995 in Kumamoto.

Weitere Schätzchen stehen vor dem Depot in Kita-Kumamoto. Mita Line-Zug 6218 und Einzeltriebwagen 5102, der 1954 für Tokyu gebaut wurde.

Donnerstag, 25. Januar 2024

Kumamoto - Kyushus Mitte

In der Mitte der Insel Kyushu erstreckt sich die ziemlich ländliche Präfektur Kumamoto rund um den ziemlich aktiven Vulkan Aso-san, weshalb die Region auch den Beinamen "Land des Feuers" trägt. Die gleichnamige Hauptstadt hat rund 750.000 Einwohner. Hauptstehenswürdigkeit ist die ziemlich große Burg aus dem Jahr 1607. Im April 2016 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,3 die Stadt, wodurch auch die Burg stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Markenzeichen von Stadt und Region ist der Comic-Bär Kumamo, der überall in der Stadt auftaucht und nach dem Erdbeben große Verberitung im ganzen Land erfuhr. Kumamoto liegt an der Strecke des Kyushu-Shinkansen zwischen Hakata und Kagoshima.

Für den ÖPNV-interessierten gibt es in Kumamoto viel zu sehen: Nicht weniger als vier Unternehmen teilen sich den Stadtbusverkehr, zudem gibt es eine kommunale Straßenbahn und zusätzlich zu JR Kyushu noch eine private Vorortbahn. Alle Stadt- und Regionalbuslinien kommen am riesigen, unter einer Shopping-Mall befindlichen Busterminal in der Innenstadt zusammen, so dass auf den Zufahrtstraßen immer viel Betrieb herrscht. Alle Betriebe nutzen ein einheitliches Liniennummernsystem aus geografischem Kennbuchstaben und zwei Ziffern. Die Typenvielfalt ist groß, zumal etliche Busse gebraucht beschafft worden sind. Größter Betreiber sind die beiden verbundenen Unternehmen Kyushu Sanko Bus und Sanko Bus. Die Detailinfos zu den Bussen habe ich dem Blog http://kmbdt926.livedoor.blog/ entnommen.

Die Sanko Bus-Flotte ist extrem vielseitig und umfasst noch viele ältere Modelle. Hino Rainbow 108 vom Baujahr 2001 verlässt die Südeinfahrt des zentralen Busterminals.
Einige Busse tragen diese Motivlackierung. 588 ist ein Hino Blue Ribbon mit NSK B96MC-Aufbau vom Baujahr 2008, unterwegs vor der Burgmauer.
Nissan Space Runner JP 851 wurde 1997 noch von Fuji Heavy Industries aufgebaut. Er wurde gebraucht von Nishi Tokyo Bus übernommen.

Auf der zentralen Densha-dori ist der im Jahr 2000 gebaute Hino Blue Ribbon 1069 zu sehen. Der Bus wurde 2018 aus Osaka übernommen.
 
Ebenfalls von FHI aufbebaut wurde Sanko Bus 1264, darunter steckt aber ein Isuzu Cubic vom Baujahr 2003 - eine eher seltene Kombination. Abgeliefert wurde er an Tobu Bus.

Eher Standard ist Hino Blue Ribbon II 1502 - komplett mit Logos.





Der einzige gesichtete Cubic mit Werksaufbau war 3094 vom Baujahr 1996.

Kyushu Sanko Bus betreibt die Fern- und Flughafenlinien unter dem Kürzel KyuSanKo. Wagen 1059 ist ein Isuzu Gala der ersten Generation.

Für den Flughafenverkehr setzt KyuSanKo u.a. Busse des koreanischen Herstellers Hyundai ein. 351 ist ein Universe LDG-RD00, aufgenommen am JR-Bahnhof.

Ebenfalls im Stadtverkehr tätig ist das Unternehmen Kumamoto Bus. Diese betreibt die Liniengruppen K, L, M und P im Südosten des Stadtgebiets. 

NSK-Aufbauten sind bei Kumamoto Bus noch recht verbreitet, unter 1194 steckt ein Nissan SpaceRunner JP aus dem Jahr 2000.

Ebenfalls ein SpaceRunner, aber der kurze RM ist 1380. Der 2003 gebaute Bus kam 2017 von Tokyu Bus nach Kumamoto.

Isuzu Erga 1770. Das lächelnde Gesicht stammt vom Stadtmaskottchen Kumamon.

Noch die alte orangerote Lackierung von Kumamoto Bus trägt Isuzu Journey K 3120. Er wurde 1996 neu in Dienst gestellt.

Ursprünglich von Keio aus Tokyo stammt Nissan SpaceRunner RM 1444. Dieser Aufbautyp wurde sowohl von FHI wie auch von NSK hergestellt, in diesem Falle stammt er von NSK.

Mittwoch, 24. Januar 2024

Ab in die Hölle - Shimabara und Unzen

Die Westküste Kyushus präsentiert sich durch viele Halbinseln und große Buchten stark gegliedert. Eine dieser Halbinseln ist Shimabara im Osten der Präfektur Nagasaki, die die Ariakesee vom Ostchinesichen Meer trennt. Gleichzeitig ist Kyushu eine der aktivesten Vulkanregionen im an seismischer Aktivität nicht gerade armen Japan. Neben dem aktuell gerade ziemlich aktiven Aso-san gab es einen der letzten großen Ausbruchszyklen am Unzen auf der Shimabara-Halbinsel, bei dem zwischen 1991 und 1995 fast 50 Menschen ums Leben kamen und 2.000 Häuser zerstört wurden. Heute hat sich der Unzen wieder ein wenig beruhigt und man kann den kleinen Badeort Unzen-Onsen besuchen, in dessen Mitte schwefelhaltige Fumarolen, die Unzen-Jigoku (Unzen-Hölle) für unglaublich heiße und stinkende Nebelschwaden sorgen. Unterhalb des Unzen befindet sich die geschichtsträchtige kleine Hafenstadt Shimabara mit rund 45.000 Einwohnern und seiner schönen rekonstruerten Burg. Die Stadt war im 17. Jahrhundert einer der letzten Zufluchtsorte der japanischen Christen, die nach einer gescheiterten Rebellion in der Stadt 1637 blutig verfolgt wurden.

Mit der Außenwelt ist Shimabara einerseits durch Fähren über die Ariakesee Richtung Kumamoto verbunden, wichtiger ist aber die von der Shimabara Railway (Shimatetsu) betriebene 43 km lange Nebenbahn, die in Isahaya an das JR Kyushu-Netz anschließt. Shimatetsu ist die einzige Bahngesellschaft im ländlichen Kyushu, die immer Privat war. Seit 2018 gehört sie zu Nagasaki Motors, wie auch Nagasaki Bus. Neben der Bahnlinie bedient das Unternehmen auch ein umfangreiches Busnetz auf der ganzen Halbinsel, Knotenpunkt ist der im wunderschönen Tempelstil errichtete Bahnhof Shimabara.

Vor dem Bahnhof Shimabara steht Shimatetsu Hino Rainbow HR 4510 vom Baujahr 2005.

Wagen 4122, auch ein Rainbow HR, aber 10,5 m lang, ist in Isahaya unterwegs. Der 2001 gebaute Bus wurde gebraucht von Tobu übernommen.

Hino Rainbow II 4721 (Baujahr 2007) fährt durch das wunderbar ländliche Unzen-Onsen, angeblich der einzige Ort in Japan, der nicht über einen 24-Stunden-Laden ("Konbini") verfügt.

Für die Fahrt nach Unzen-Onsen gab es eine freudige Überraschung in Form von Isuzu Cubic 1546, den Shimatetsu offensichtlich von Nagasaki Bus übernommen hat. Hier in Shmabara...

... und hier nach der Ankunft in Unzen-Onsen.

Für den Bahnbetrieb stehen Shimatetsu 16 Dieseltriebwagen der Baureihe KiHa 2500 zur Verfügung. Tw 2010 rollt hier gerade in Shimabara ein.

Endpunkt der Strecke ist der Hafen von Shimabara (Shimabara-ko), wo die Fähren nach Kumamoto ablegen. Hier stehen abfahrbereit die Triebwagen 2508 und 2551. ursprünglich führte die Strecke 35 km weiter bis Kazusa, diese wurde aber 1993 zunächst von Lava au dem Unzen unterbrochen und 2008 dann komplett stillgelegt.

Von Nagasaki auf die Shimabara-Halbinsel gibt es zwei Wege mit JR Kyushu. Der schönere, aber langsamere sind die Regionalzüge der Nagasaki Main Line. Trotz Elekrtifizierung kommen hier Dieseltriebwagen des neuen Typs YC1 zum Einsatz. YC1-208 in Urakami.

Seit 2022 kann man die Strecke auch in wenigen Minuten mit dem Nishi (West) Kyushu Shinkansen zurücklegen. Da das Stück durch die Präsfektur Saga auf absehbare Zeit aufgrund politischer Widerstände fehlt ist dies z.Zt. ein Inselbetrieb, um nach Fukuoka zu kommen muss man in Takeo-Onsen in einen konvetionellen Expresszug umsteigen. Zum Einsatz kommen 8-Wagen-Züge der Reihe N700S, wie sie auch JR Central einsetzt. Zug 700-8002 erreicht den Endbahnhof Nagasaki.


Dienstag, 23. Januar 2024

Nagasaki: Alte Trams und Rote Busse

Der Blick von Mount Inasa über Nagasaki gilt als eines der schönsten Nachtpanoramen Japans. Dementsprechend viel zu tun hat abends die Seilbahn dorthin. Neben den Stadtbussen das wichtigste Verkehrsmittel in Nagasaki sind die vier Straßenbahnlinien, die ein knapp 12 km Netz im Stadtzentrum und dem dicht bebauten Urakami-Tal bilden. Betreiber ist Nagasaki Electric Tramway (Nagasaki Denki Kido) - kurz auch Nagaden. Das bis heute private und profitable Unternehmen nahm die erste Strecke im Jahr 1915 in Betrieb, als einziger Straßenbahnbetrieb hat man bis heute keine Strecke stillgelegt, es gibt sogar Ausbaupläne. Neben wenigen Niederflurwagen kommen vor allem Vierachser teils noch aus den 1950er Jahren zum Einsatz, die 74 Wagen gehören 19 verschiedenen Typen an. 

Im März 2022 erhielt Nagaden den Prototyp eines neuen Niederflurwagens von Alna Sharyo. Er bekam die Nummer 6001.

Von 2012 stammt Wagen 5003, der hier in die extrem beengte Endstelle Ishibashi einfährt.

Etwa älter ist 3002, er stammt von 2006 - hier am Bahnhof.

Ebenfalls in Ishibashi Wagen 1801, drei dieser Wagen wurden ab 2000 auf alten Fahrgestellen aus Kitakyushu aufgebaut.

Am verbeitetsten ist dieser Aufbaustil, auch hier stammen die Fahrgestelle gebraucht aus Kitakyushu. Wagen 1305 rangiert beim Depot in Urakami.

Die schönsten Wagen sind die sechs Stück der Baureihe 500 von 1966, hier 505 auf der Ohato-dori.

Die meisten Nagaden-Wagen tragen Ganzwerbungen, auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, was das Motiv auf Wagen 373 darstellen soll... Jedenfalls ist der 1962 gebaute Wagen vor der Kulisse von Dejima zu sehen.

Immerhin noch zehn Stück sind von der 300er Baureihe von 1953 vorhanden, 305 befährt hier den Gleiswechsel an der Endstation Hotarujaya, die mitten in einer Steigungsstrecke liegt.

Noch drei Jahre älter ist Wagen 215, er hat gerade die kleine Abstellhalle in Hotarujaya verlassen.
 

Für den Vorort- und Überlandverkehr in Nagasaki ist größtenteils das Verkehrsbüro der Präfektur (Ken) zuständig, das unter dem Namen Nagasaki ken-ei Bus auftritt, deren Busse sind entsprechend auch in anderen Orten der Präfektur zu sehen. Der Fuhrpark ist stark von Mitsubishi-Produkten geprägt.

Nagasaki Ken-ei Bus hat ein alphanummerisches Nummerierungssystem, das ich nicht so ganz durchschue. F351 erreicht hier den Bahnhof Isahaya.

Hino Rainbow HR 4B56 ist auf der Edo-machi in Nagasaki unterwegs. Solidaritätsbekundungen mit der Ukraine waren auch in Japan zu sehen.

2K53 ist ein NSK B-96MC auf unbekanntem Chassis am Bahnhof Nagasaki.

Im Raum Nagasaki nutzt man gerne die in Japan bei Mitteleinstieg eher unüblichen Falttüren, so wie bei Mitsubishi AeroStar MF37 1E61.

Da Ken-Ei Bus viel Überlandverkehr fährt hat es recht viele Reisebusse im Fuhrpark, vor allem von Mitsubishi. 9E19 ist ein AeroBus unterwegs im Kurort Unzen-Onsen.

In Hotarujaya sehen wir Isuzu Erga II S652.