Dienstag, 6. Februar 2024

Am Fluss, der durch den Sand Fließt - Otaru

Etwa 30 km westlich von Sapporo liegt die 100.000-Einwohner-Stadt Otaru am Japanischen Meer. Auch diese Gegend war schon durch die Ainu besiedelt, der Ortsname hißt in der Ainu-Sprache "Fluss, der durch den Sand fließt". Bis in die 1950er Jahre war Otaru bedeutender als die Hauptstadt, da Hafen und lokale Steinkohlevorkommen es zu einem bedeutenden Industriestandort werden ließen. Noch heute fallen die vielen Steingebäude aus der Zeit um die Jahrhundertwende auf, was der Stadt eine fast europäische Atmosphäre verleiht. Haupattraktion sind die restaurierten Lageräuser entlang des Hafenkanals. 

Mit Sapporo ist Otaru durch mehrere stündliche Vorort- und Eilzüge von JR Hokkaido verbunden, zudem ist die Stadt Hauptsitz der Chuo Bus-Gruppe, die ebenfalls Busverbindungen nach Sapporo, aber auch ein sehr umfangreiches und dicht befahrenes Stadtbusnetz unterhält.

Chuo Bus setzt in Otaru viele kurze hochflurige Isuzu Erga ein. 1287 in der Nähe des Hafens.

Der Busbahnhof am JR-Bahnhof liegt in sehr abschüssiger Lage, weshalb sich Hino Blue Ribbon City 1506 ganz schön bergabwärts lehnt.

In Otaru fahren deutlich mehr Niederflurbusse als in der Hauptstadt. 2431, ein Blue Ribbon City Hybrid auf der Chuo-dori, die Bahnhof und Hafen verbindet.

Gleich den Bahnhof erreicht hat Mitsubishi AeroStar 3435.

4495 ist ein J-Bus Isuzu Erga, er macht Pause am Busbahnhof.


Montag, 5. Februar 2024

Sapporo: Hokkaidos moderne Hauptstadt

Mit fast zwei Millionen Einwohnern ist Hokkaidos Hauptstadt Sapporo die fünftgrößte Stadt in Japan. Obwohl sie erst 1868 offiziell gegründet wurde, siedelten die Ainu bereits seit 15.000 Jahren in der fruchtbaren Ishikari-Ebene. Die Stadt wurde schnell planmäßig durch amerikanische Planer aufgebaut, um ein Zentrum für die Besiedlung der Mitte Hokkaidos zu schaffen. Noch heute sieht man Sapporo die amerikanische Planungsphilosophie an: Ein Straßenmuster mit streng rechtwinkligen Blocks, Hochhhäuser im Stadtzentrum umgeben von endlosen Vorstädten. In ganz Japan ist Sapporo zudem als Biermarke bekannt, 1876 gründeten in Deutschland ausgebildete Braumeister die inzwischen größte japanische Brauerei.

Der ÖPNV in Sapporo wird von drei U-Bahn-Linien, einer Ringstraßenbahn und einem dichten, aber nicht unbedingt häufig bedienten Busnetz sichergestellt. Der städtische Verkehrsbetrieb Sapporo Transportation Bureau (ST) betreibt nur die U- und Straßenbahnen, die Stadtbusse wurden 2004 an die privaten Unternehmen Hokkaido Chuo Bus, JR Hokkaido Bus und Jotetsu abgegeben. Alle drei Betreiber setzen noch überwiegend Hochbodenbusse ein.

Auf der Linie zum Sapporo Beer Garden ist Hino Blue Ribbon 3074 von Chuo Bus unterwegs.

Chuo Bus 3094 ist ein Nissan SpaceRunner UA mit FHI 7E-Aufbau vom Baujahr 1999, gesichtet am Bahnhof Shiroshi.

Jotetsu gehört zur Tokyu-Gruppe und betreibt neben den Stadtbuslinien vor allem Verbindungen in die Bergregion südlich von Sapporo. Isuzu Erga 3043 ist im Ausgehviertel Susukino unterwegs.

Ebenfalls in Susukino war Jotetsu Mitsubishi AeroStar 5131 anzuteffen.

Vor dem Busterminal am JR-Bahnhof Sapporo steht Isuzu Erga 531-3954 von JR Hokkaido Bus

Ebenso hochflurig ist Mitsubishi AeroStar MF38 534-8909. Das Schwalbenmotiv wird traditionell von allen JR-Busgesellschaften verwendet.

Noch kommen auf der einzigen Straßenbahnlinie, die einen Ring im Südwesten der Stadt befährt, etliche ältere Wagen mit der charakteristischen runden Form zum Einsatz. 241 wurde im Jahr 1960 gebaut.

In den letzten Jahren wurden Niederflurwagen sowohl in Gelenk- als auch in Soloausführung beschafft. 1102 ist von der letzteren Sorte, er befährt die enge Kurve in Susukino. 

Wagen 8511 stammt aus dem Jahr 1988.

Die zu den Olympischen Winterspielen 1972 eröffnete U-Bahn verkehrt auf Gummireifen mit mittiger Führungsschiene. Der südliche Teil der Namboku (Nordsüd-)Linie befindet sich in Hochlage, ist aber zum Schutz vor den bis zu 5 Metern Schnee, die im Winter in Sapporo fallen komplett eingehaust. Zug 5105 erreicht die Station Jietai-mae.

Samstag, 3. Februar 2024

Hokkaido: Japan ganz anders

Vom sonnigen Setomeer mit seinen frühsommerlichen Temperaturen ging es auf Japans nördlichste Hauptinsel, Hokkaido, wo noch nicht mal der Frühling so richtig begonnen hatte. Zwar liegt die Insel etwa auf Höhe Südeuropas, die Nähe Sibiriens sorgt aber für ein kontinental geprägtes Klima mit riesigen Schneemengen im Winter. Dieses Klima sorgt auch dafür, dass Hokkaido so ganz anders aussieht als der Rest Japans: Statt Reisfeldern gibt es Rinderweiden und Weizenanbau, aber vor allem endlose Berg- und Waldlandschaften. Anders als vor allem Honshu ist Hokkaido kaum besiedelt, auf der riesigen Fläche verteilen sich nur gut 5 Millionen Einwohner (Tendenz auch hier stark sinkend), davon fast die Hälfte in der Hauptstadt Sapporo. Obwohl es immer als Teil Japans gesehen wurde, war es lange Zeit vom Volk der Ainu besiedelt. Erst nach der Meiji-Restauration 1868 begann die systematische Erschließung und Besiedlung durch die Japaner, nicht zuletzt mit Unterstützung amerikanischer und europäischer Experten. Deshalb wirken die Städte viel amerikanischer als anderswo und Hokkaido ist das Zentrum der Bier- und Milchindustrie. Die ganze Insel ist eine einzige Präfektur, die flächenmäßig größte des Landes.

Aufgrund der dünnen Besiedlung spielt die Eisenbahn auf Hokkaido eine wesentlich geringere Rolle als im übrigen Land. Es gibt mit einer Ausnahme auch keine Privatbahnen (mehr), allle Verbindungen befinden sich in der Hand der chronisch defizitären JR Hokkaido, neben JR Shikoku die einzige der ehemaligen Staatsbahngesellschaften, die sich noch in Händen der Regierung befindet. Das Netz ist nur zum kleineren Teil elektrifiziert und wurde in den letzten Jahrzehnten erheblich ausgedünnt. Weitere Stillegungen auch von Hauptbahnen sind angekündigt. Immerhin verkehren zwischen Sapporo und den wichtigsten Städten regelmäßige Limited Express-Züge und auch das Vorortbahnnetz um Sapporo ist dicht befahren. Seit 1988 ist das Bahnnetz Hokkaidos durch den Seikan-Unterwassertunnel mit dem Rest Japans verbunden, seit 2016 fährt auch der Hokkaido-Shinkansen hindurch, der bislang bei Hakodate endet, aber bis 2031 Sapporo erreichen soll.

Auf den nicht elektrifizierten Fernstrecken kommt die Baureihe 261 zum Einsatz. 261-1209 steht hier mit dem Hokuto nach Sapporo in Hakodate.

Die Elektroversion ist der 789, der insbesondere zwischen Sapporo und der zweitgrößten Stadt Asahikawa pendelt. 789-1006 durchfährt den Vorortbahnhof Shroshi. Die hcoh liegenden Führerstände sollen den Lokführern auch bei viel Schnee den Überblick garantieren.

Auf dem Vorortnetz von Sapporo kommen ebenfalls "schneefeste" Züge zum Einsatz. 731-116 in Shiroshi.

Etwas konventioneller sind die 721er, 721-14 bei der Ausfahrt aus Otaru.

Nicht verzichten kann JR Hokkaido auf die ex-JNR-Dieseltriebwagen der Reihe 40, hier 40-1771 in Shin-Hakodate-Hokuto, dem Endpunkt des Hokkaido-Shinkansens. 

Da das Bahnnetz so dünn ist, spielt der Fernbus auf Hokkaido eine noch größere Rolle als im übrigen Land. JR Hokkaido ist auch hier mit JR Hokkaido Bus einer der größten Mitspieler. Hinzu kommen die Chuo Bus-Gruppe und mehrere lokale Anbieter. Ein großer Fernbusbahnhof befindet sich neben dem JR-Bahnhof in Sapporo.

Hokkaido Chuo Bus ist mit mehreren Tochtergesellschaften vor allem in der Mitte der Insel präsent. Isuzu Gala 3777 ist im Zentrum der Hauptstadt unterwegs.

Ein weiterer wichtiger Fernbusbetrieber ist Donan Bus aus Muroan an der Südküste. Das 1954 gegründete Unternehmen hat auch die Ersatzverkehre für mehrere stillgelegte JR-Linien übernommen. Wagen 694 ist ein 2002 gebauter Nissan SpaceArrow RA mit NSK E02MC-Aufbau.

In den Häuserschluchten Sapporos begegnet uns Donan Bus Mitsubishi AeroAce 354.


Auch JR Hokkaido Bus (JHB) setzt auf den AeroAce. 624-2902 zeigt die neueste Karroserievariante am Bahnhof Sapporo.

In einer Sonderlackierung ist an gleicher Stelle JHB Isuzu Gala 641-5955 unterwegs.


Freitag, 2. Februar 2024

Tomonomura: Etappenhafen an der Setosee

Das Seto-Binnenmeer erstreckt sich zwischen Honshu und Shikoku. Aufgrund seiner geschützten Lage war es eine wichtige Handelsroute in Westjapan und so entwickelten sich an strategisch günstigen Punkten Hafenorte, in denen die Schiffe auf günstige Strömungsverhältnisse warteten. Heute liegen viele dieser Orte abseits der Verkehrswege und sind deshalb noch recht ursprünglich erhalten, so wie Tomonomura. Einst wichtiger Etappenort auf dem Weg von Nagasaki und Kyushu nach Edo (Tokyo) gehört der Ort heute zur Stadt Fukuyama im Osten der Präfektur Hiroshima. Eingebettet in eine wunderschöne Insellandschaft sind hier neben dem alten Leuchtturm noch viele alte Kaufmannshäuser und Kontore museal erhelten. 1913 eröffnete die Kaufmannsfamilie Hayashi eine Bahnlinie zwischen Tomonomura und Fukuyama. Diese wurde 1954 auf Busbetrieb umgestellt, das Unternehmen Tomotetsu betreibt die Buslinien in der Umgebung aber bis heute.
Die Tomotetsu-Busse tragen eine grün/weiße Lackierung. Wagen N6-109 ist ein Nissan SpaceRunner RA mit NSK B96MC-Aufbau. Der 2006 gebaute Bus stammt von Seibu und hat hier gerade in Tomonomura gewendet.

Wagen N5-199 hat einen Fahrradträger amerikanischen Stils und Branding für eine Radbuslinie, auch unter diesem NSK-Aufbau steckt ein Space Runner RA Baujahr 2005, der ebenfalls zunächst bei Seibu Dienst tat.

Neben Nissans fährt Tomotetsu vor allem Busse von Mitsubishi, die den Kennbuchstaben F (für Fuso) tragen. F5-225 ist ein AeroStar MP33, der 2005 an Sotetsu in Yokohama abgeliefert wurde.

 
2019 wurde Hino Rainbow II Z9-507 neu beschafft. Er steht hier am Bahnhof Fukuyama.

Ein schöner Schuss durch die Frontscheibe von Tomotetsu F5-225. Entgegen kommt N4-106, ein SpaceRunner JP, dessen NSK-Aufbau eine Stoßstange von FHI verpasst bekam. Der Bus wurde 2004 für Keikyu gebaut.

N7-189 ist wie der Kennbuchstabe verrät ein Nissan SpaceRunner RM. Der Bus wurde 2007 von NSK für Tomotetsu aufgebaut.

In Fukuyama betreibt Tomotetsu gemeinsam mit Ikasa Bus eine Innenstadt-Ringline. Zum Einsatz kommt Hino Poncho H9-006 vom Baujahr 2009.

Die Stadt Fukuyama gilt als die japanische Rosenmetropole, sie hat rund 450.000 Einwohner. Neben Tomonomura ist die große Burg gleich nördlich des Bahnhofs die wichtigste Sehenswürdigkeit. Fukuyama liegt an der Strecke des Sanyo-Shinkansens zwischen Osaka und Fukuoka. Neben Tomotetsu betreiben die Unternehmen Chu Bus und Ikasa Bus, beide zur Ryobi-Gruppe gehörend, Teile des Stadtverkehrs. 

Die Busse von Chu Bus sind im blau/weiß bzw. beige der Ryobi-Gruppe gehalten. Hier Isuzu Erga Hochbodenbus I0706 von 2007.

Nissan SpaceRunner UA N1332 hat einen FHI-Aufbau von 2001, er stammt von Tokyu Bus.

Ikasa Bus war auch mal eine Bahngesellschaft und gehört heute auch zu Ryobi. Hino Rainbow H0302.

AeroMidi MK F0303 nimmt das Rosenthema auf. Der 2003 gebaute Bus stammt von der Ryobi-Schwestergesellschaft Okaden aus Okayama.

Chu Bus steht für Chugoku Bus, und dementsprechend sind die Busse in der gesamten Region Chugoku im fernbusverkehr zu sehen. H1142 ist ein älterer Hino S´elega.

Donnerstag, 1. Februar 2024

Mit Streckensicht zu den Samurai

Mitten in Matsue erhebt sich die 1611 erbaute Burg. Das als "Regenpfeiffer-Burg" (bei meinem Besuch leider eine passende Bezeichnung) bekannte Bauwerk ist eine von nur sieben Burgen in ganz Japan, deren ganz aus Holz gebauter Turm (tenshu) noch original erhalten ist. Um die Burg herum erstreckt sich der Burggraben und das Viertel Shiomi Nawate mit nicht weniger sehenswerten Häuserzeilen aus der Samurai-Zeit. Neben Ichibata gibt es in Matsue auch einen Städtischen Verkehrsbetrieb, Matsue City Traffic Office oder auch Matsue City Bus. Die blau/grün/weißen Busse verkehren auf zehn Linien, zudem verbindet die Lake Line die wichtigsten Sehenswürdigkeiten mit den beiden Bahnhöfen und dem Shinji-See. Die Stadt übernahm den Busbetrieb von privaten Unternehmen im Jahr 1929, ab 2007 kamen mehrere Stadtlinien von Ichibata Bus hinzu.

Matsue City Bus 43 ist ein Hino Rainbow HR vom Baujahr 2000, aufgenommen auf dem Bahnhofsvorplatz.

Mitsubishi AeroMidi 216 repräsentiert die kürzeste Version dieses Typs. Er wurde 2004 gebaut.

Wie bei Ichibata dominieren auch im Stadtverkehr die Midibusse vom Typ Isuzu Erga Mio. Wagen 732 ist in Shiomi Nawate unterwegs.

Die Normalversion des Erga ist auch vertreten, 862 am Bahnhof.

Auf der tourstischen "Lake Line" setzt Matsue City Bus Fahrzuege mit Retrodesign ein. Wagen 76 baute Tokyo Special Coach 2001 auf einem Hino Rainbow Chassis auf

Von den gleichen Herstellern stammt Wagen 1836, er wurde allerdings schon 1996 in Dienst gestellt. Beide Bilder entstanden im Shiomi Nawate-Viertel
Auch in der Nachbarstadt Izumo gibt es einen kleinen Stadtverkehr, der von den Unternehmen Tanimoto und Susanoo erbracht wird. Tanimoto AeroMidi 18 steht vor dem Bahnhof Izumo-shi.

Der Yakumo zwischen Okinawa und Izumo ist aktuell der letzte Limited Express, der von JR West noch mit alten JNR-Triebwagen der Baureihe 381 bedient wird. Allerdings stehen deren Nachfolger schon in den Startlöchern. 381-108 fährt in Matsue ein.

Einige wenige Verbindungen führen einen Erstklass-Panoramawagen mit Streckensicht, dike ich mir trotz Regen gegönnt habe. 381-138 wurde als Super Yakumo speziell lackiert.