Dienstag, 16. Dezember 2025

Nach Colon und Santa Maria: Die Vorortverkehre von Cordoba

Anders als etwa Rosario ist Cordoba Zentrum eines recht dicht besiedelten Ballungsraums, der sich insbesondre über die Departementos Colón (im Norden) und Santa Maria (im Süden) erstreckt. Der Ballungsraum ist Teil der Provinz Córdoba, die auch die Sierras umfasst und eine Ausdehnung von rund 650 x 350 km hat. Das Umland von Cordoba und die Sierras werden von einem dichten Netz an Buslinien durchzogen, das relativ häufig befahren und von etlichen privaten Unternehmen betrieben wird. Zuständig für die Konzessionierung ist die Provinzregierung, die neben orange/blauen Konzessionsplaketten für Busse auch spezielle Nummernschilder vergibt. Für alle Regionalbusse gibt es die gemeinsame TIN-Wertkarte, die allerdings nicht für die Stadtbusse gilt. Alternativ kann man Fahrkarten auch an den jeweiliegen Unternehmensschaltern der Busbahnhöfe kaufen. Die meisten Regionallinien fahren in einem großen Ring um die Altstadt von Córdoba herum, dabei bedienen sie auch das riesige Busterminal, wo für den Regionalverkehr vor einigen Jahren ein eigener Erweiterungsbau errichtet wurde.

Einer der größten Betreiber ist Emprendimientos S.R.L., das unter dem Namen Fono Bus auftritt. Das 1994 gegründete und seitdem durch mehrere Übernahmen stark gewachsene Unternehmen deckt vor allem Verkehre in den Norden und Nordosten von Cordoba sowie ins Punillatal ab.

Fono Bus hat etliche Agrale MA-Frontmotorchassis im Bestand, so wie Wagen 693, ein MA17 mit Nuovobus Menghi-Aufbau, aufgenommen auf dem Blvd. Guzmán, der Teil des Regionalbus-Rings um das Stadtzentrum ist.

Die Aufbauervielfalt im Regionalverkehr ist recht groß, Fonobus 706 ist ein MB OF1519 mit Comil Versatile Gold-Aufbau. Er überquert hier die Plaza Velez Sarsfield, auch dies ein Teil der Regionalbusrings.

Wohl ein Gebrauchtkauf ist Wagen 716, ein MB OH1621L-SB mit Italbus Tropea III-Aufbau.

Wieder ein Agrale MA17 steckt unter Wagen 751 mit seinem Todobus Palermo-Aufbau.

Wie in Buenos Aires auch haben sich einige Anbieter zu Gruppen zusammengeschlossen. Unter verschiedenen Namen tritt die Grupo Sierras auf, deren Stammbetrieb das Unternehmen Sierras de Calamuchitas Srl ist. Diese bedient das gleichnamige Tal, das sich bis etwa 80 km südlich von Cordoba erstreckt. Richtung Südosten fährt Malvinas Argentinas, ein Name der einem in Argentinien in vielen Zusammenhängen begegnet - gemeint ist die hierzlande als Falklandinseln bekannte unwirtliche und kaum besiedelte Inselgruppe im Südatlantik, auf die Argentinien seit 150 Jahren Ansprüche erhebt. Aufkleber mit dem Text Las Malvinas son Argentinas (Die Falklands sind argentinisch) finden sich an vielen Bussen im ganzen Land. Der letzte Rückeroberungsversuch, den die damalige Militärjunta 1982 aus puerer Verzweiflung über die wirtschaftliche Lage im Land angezettelt hatte, endete mit einer krachenden Niederlage gegen Großbritannien und bedeutete das Ende der Militärdiktatur. 

Entsprechend der Linienlänge setzt Sierras de Calamuchita vor allem Reisebusse ein, Wagen 84, ein Agrale MT17/Saldivia Aries GT verlässt hier seine Abfahtrsposition im neuen Bereich das Busterminals von Cordoba.

 
Malvinas Argentinas hat einige interessante Fahrzeuge zu bieten. Wagen 3 ist ein F50 von Carrocerias Sudamericanas aus Rosario, vermutlich auf MB O500R.

Als Wagen 33 kommt dieser wunderschöne Saldivia Aries zum Einsatz. Aufgenommen im älteren Teil des Busterminals.

Während der Osten Argentiniens größtenteils von spanischer und italienischer Einwanderung geprägt ist, gibt es je weiter man Richtung Anden kommt immer stärker deutsche Einflüsse, zu erkennen u.a. an den Ortsnamen. So gibt es bei Coroba eine Tiroler Kolonie - Colonia Tirolesa, die Grupo Sierras mit der gleichnamigen Tochtergesellschaft bedient. Wagen 20 ist ein Italbus Tropea MD IV auf MB O500U.

Intercordoba bedient ebenfalls mehrere Linien im Regionalverkehr. Zum Einsatz kommt ein Mix aus Linen- und Reisewagen, 334 ist ein MB O500R/Saldivia Aries 325.

Auf dem Bulevard Guzmán herrscht reger Busverkehr, so dass sich auch zwei Busse gemeinasm ablichten lassen. Transierras 3041, ein Agrale MT13.0/Saldivia Aries 325 überholt hier Intercordoba 83, einen MB OF1622/Metalpar Tronador II. 


Auf einigen längeren Regionallinien kommen auch Doppeldecker zum Einsatz, wie COATA 3114, ein MB O500RSD/Metalsur Starbus DP 4.05 auf der Linie nach Marcos Juarez, der halbe Weg nach Rosario.

Montag, 15. Dezember 2025

Im Umbruch: Die Stadtlinien in Cordoba

Erst später habe ich bei meinen Recherchen herausgefunden, dass ich in März 2025 genau zu einer Umbruchzeit in Cordoba war. ERSA (Empresa Romero SA) hatte 2024 bereits seine Konzessionen für vier Korridore zurückgegeben, deren Fahrzeuge fuhren nun leihweise bei TAMSE bzw. FAM. Bereits im Februar 2025 übernahm die bisher nur im Vorortverkehr aktive Grupo FAM die Korridore 2,5 und 7, teils noch mit ERSA- und TAMSE-Fahrzeugen, teils mit aus Buenos Aires gebraucht übernommenen Bussen. Da DOTA an Grupo FAM beteiligt ist wundert es nicht, dass es sich dabei ausnahmslos um Agrale/TodoBus aus den Beständen der diversen DOTA-Betriebe in der Hauptstadt handelt. Erst Mitte diesen Jahres übernahm SiBus, ein Gemeinschaftsunternehmen der Vorortbusbetreiber Intercordoba SA und Sarmiento SRL, die Korridore 3 und 8.

Das traditionsreiche Unternehmen Coniferal mit seinen gelb-orangem Fuhrpark, das bereits seit 1958 im Stadtverkehr von Córdoba aktiv ist, behielt die Korridore 1 und 6 und erhielt von ERSA den Korridor 4. Bis Mitte 2025 betrieb man auch die Linien 30 und 34 aus dem Korridor 3.  

Die Flotten von TAMSE und Coniferal sind recht ähnlich. Coniferal 1 ist ein Metalpar Iguazu auf MB OH1721L-SB.

Coniferal hat auch noch Metalpar Tronador I-Aufbauten im Bestand, so wie Wagen 203 auf MB OF1722. Der Tronador wurde auf Front- der Iguazu auf Heckmotorchassis gesetzt.

Der dritten und letzten Tronador-Generation gehört Wagen 163 an, auch er auf OF1722, klar erkennbar an der hohen Fahrerposition und den Lufteinlässen vorne. 

Wie TAMSE hat auch Coniferal Marcopolo Torino LE G7 im Bestand, allerdings auf dem kurzen OH1621L-SB-Chassis. Wagen 269 auf der Plaza Vélez Sarsfield.

An gleichem Ort zwei Nuovobus Cittá: Links Wagen 345 auf MB OH1721L-SB-Heckmotorchassis, rechts Wagen 320 auf OF1722 mit Frontmotor.

Die ERSA-Fahrzeuge, die im März in Cordoba liefen hatten meistens ihre beste Zeit hinter sich, der größte Teil waren Metalpar Tronador auf MB OF1622 bzw. VW 15.190. Wagen 2919 ist einer der letzteren Sorte, hier schon für Grupo FAM auf dem Korridor 5 unterwegs.

Ebenfalls ein VW-Frontmotor-Chassis, ein 17.230, hat Wagen 3487. Er trägt einen in Argentinien seltenen Caio Apache-Aufbau. Die Mitteltür dient nur dem eingebauten Rollstuhllift. Die Geräuschentwicklung im Innenraum auf der Fahrt aus dem Stadtzentrum zum höher gelegenen Bahnhof Alta Cordoba war phänomenal....

Einige neuere Fahrzeuge stationierte ERSA denn doch in Córdoba: Wagen 4006 ist ein OH1721L-SB/Marcopolo Torino LE G7. Wie die Konzessionsplakette verrät dürfte dieser Bus, der hier den Flughafen verlässt, aus der Hauptstadt nach Córdoba umgesetzt worden sein.

Unverkennbar die Herkuft von DOTA aus Buenos Aires: Grupo FAM Agrale MT17.0/Todobus Pompeya III 6010 an der Plaza Vélez Sarsfield.

Sonntag, 14. Dezember 2025

Córdoba: Kolonialflair im Schatten der Sierras

Noch 400 km weiter westlich von Rosario liegt Córdoba, die zweitgrößte Stadt Argentiniens mit knapp 1,6 Millionen Einwohnern. Hier ist die Pampa dann zuende, weiter westlich erhebt sich das Mittelgebirge der Sierras de Cordoba. Cordoba wurde bereits 1573 gegründet, ihren Namen erhielt sie von ihrem Pendant in Andalusien. Schon 1613 gründeten die im Land einflussreichen Jesuiten die auch heute noch bestehende Universität, es war erst die zweite in Südamerika. Bis Mitte des 18. Jahrunderts war Cordoba das wichtigste Zentrum des Landes. In der Innenstadt haben sich noch etliche Gebäude aus dieser Zeit erhalten, so die großartige Kathedrale, das Cabildo (Rathaus) und die Gebäude der Universität. Heute ist die Stadt das wichtigste Wirtschafts- und Bildungszentrum für die Mitte Argentiniens.

Als Grenze des Stadtgebiets wurde ein Quadrat mit genau 24 km Seitenlänge festgelegt, in dessen Mittelpunkt sich die Plaza San Martin mit Cabildo und Kathedrale befindet (s.o.). Für den ÖPNV in diesem Bereich vergibt die Stadt die Konzessionen. 1879 wurde die erste Pferdebahn eröffnet, von 1909 bis 1962 bestand ein elektrisches Straßenbahnnetz. Seit Jahren gibt es Planungen für S- und U-Bahn-Linien, diese kommen aber nicht voran. Stattdessen wurde 1989 von der sowjetischen VVO Technoexport ein schlüsselfertiges Trolleybussystem mit drei Linien errichtet, das bis heute besteht.  

Das Stadtbusnetz besteht aus insgesamt 73 Linien. Die 60 wichtigsten Verbindungen sind in acht Korridoren zusammengefasst, die jeweils eine volle Zehner-Nummerngruppe besetzen. Diese werden inzwischen von drei verschiedenen privaten Unternehmen betrieben. Die sieben sogenannten "grünen" Linien (Lineas Verdes), wozu die drei Trolleybuslinien A-C und vier Trolleybus-Ergänzugsverkehre A1, B1, C1 und C2 gehören, bedient die städtische Transporte Automotor Municipal Sociedad del Estado (TAMSE), die 2004 gegründet wurde. Vorher hatte die Betriebsführung des Trolleybusnetzes mehrfach zwischen der Stadt und privaten Unternehmen gewechselt. Bei meinem Besuch im März 2025 betrieb TAMSE noch die Korridore 3 und 8 sowie interimsweise Teile der Korridore 2, 4, 5 und 7, nachdem ERSA (die wir schon aus Buenos Aires kennen) die Konzession für diese Linien zurückgegeben hatte. Zuletzt fahren TAMSE-Busse noch auf der Flughafenlinie Aerobus.

Der Trolleybusbetrieb von TAMSE setzt nach wie vor größtenteils auf die 1989 gelieferte Eröffnungsausstattung von ZIU aus Engels. Wagen 01, ein ZIU-682-Solobus, hat erkennbar einige Modifikationen erfahren, neben einer neuen Front ist wie bei allen seinen Artgenossen die Mitteltür herausgenommen worden. Da die gesamte Innenstadt aus Einbahnstraßen besteht, werden die Trolleybuslinien in eine Richtung durch Nebenstraßen (hier die Av. Lima) geführt.

Noch die Originalfront hat Wagen 07, er ist auf der Linie A in der Av. Tucuman unterwegs. Neben den ZIUs besitzt TAMSE noch sieben modernere TROLZAs, von diesen war bei meinem Besuch aber keiner im Einsatz, weshalb Trolleybusse nur auf den Linien A (teilweise) und B verkehrten.

Die Gelenkbusse ZIU-683 kommen nur auf der Linie B zum Einsatz und sind auch entsprechend beschriftet. Die Gelenkpartie wurde bei mehreren Fahrzeugen als Akkordeon gestaltet, laut Aufschrift eine Hommage an die musikalischen Traditionen der Stadt. Wagen 35 hat hier gerade die Endstelle im Barrio Pueyrredón erreicht...

... wo Wagen 40, höchste gesichete Nummer, bereits um den im Hintergrund sichtbaren kleinen Park gewendet hat und nun wieder Richtung Innenstadt fährt. Alle ZIU-683 haben neue Scheinwerfer und eine größere Zielanzeige erhalten, sind aber sonst noch ziemlich original.
Der TAMSE-Dieselbusfuhrpark umfasste im März 2025 noch einige MB OH1621L-SB mit Metalpar Iguazu III-Aufbau. Wagen 1154 war hier im Trolleybus-Ersatzverkehr auf der Linie A unterwegs.

Die Linie C wurde bei meinem Besuch komplett von Dieselbussen bedient, u.a. von MB OH1721L-SB/BiMet Corbus III 1157, der 2010 gebaut wurde. Die Anzeige der Liniennummer mittels Papierschild ist in Cordoba nicht unüblich.

Ebenfalls auf der Linie A unterwegs war Wagen 1162, ein MB O500U/Favorito GR II. Man beachte die handgeschriebene Wagennummer!

2022 erhielt TAMSE 210 Neufahrzeuge auf Mercedes-Benz-Chassis (im argentinischen Sprachgebrauch Unidades 0km), daruter etliche OH1721L-SB/Marcopolo Torino LE G7. Wagen 1171 war einer der ersten, unterwegs ist er hier auf der Plaza Velez Sarsfield im Süden der Innenstadt.

Die Torinos laufen auch auf der Flughafenlinie, einige Fahrzeuge wie Wagen 1354 haben dafür ein spezielles Aérobus-Branding erhalten.

Der Rest der 2022er Lieferung bestand aus Nuovobus Cittá, von denen die meisten auf MB OF1621-Frontmotorchassis aufgebaut wurden. Wagen 1395 ist auf der Trolleybus-Ergänzungslinie A1 unterwegs. Diese Linien verkehren auf den Trolleybusstrecken, aber über das Fahrleitungsnetz hinaus, weshalb sie nicht mit Obussen bedient werden.

Einige Cittá sind Low-Entry-Fahrzeuge und haben dementsprechend das OH1621L-SB-Chassis als Basis. Wagen 1409 ist hier in der Av. Tucumán unterwegs.

2024 erhielt TAMSE zwanzig Iveco 170G21-Erdgasbusse mit Frontmotor(!), nachdem Iveco die Produktion dieser Chassis in Córdoba aufgenommen hatte. Die Fahrzeuge besitzen einen Italbus Bello III-Aufbau und kommen weitgehend auf den "grünen" Linien zum Einsatz, für die sie auch gebrandet sind.

Auf der Fahrerseite kommt der lange Hecküberhang besonders zur Geltung: Wagen auf dem Blvd. Guzman am Ufer des Rio Suquia.

Donnerstag, 11. Dezember 2025

Santa Fe Regional

Rosario ist die größte Stadt der Provinz Santa Fe, mit rund 3,5 Millionen Einwohnern drittgrößte Provinz des Landes nach Stadt und Provinz Buenos Aires. Hauptstadt ist das rund 200 km nördlich von Rosario gelegne Santa Fe mit knapp 400.000 Einwohnern. Die Provinz gehört zur Pampa und lebt daher vor allem von Weide- und Viehwirtschaft, Argentiniens Landwirtschaft kann immerhin das Zehnfache der Landesbevölkerung versorgen - und das nicht nur mit sehr leckeren Steaks, von denen jeder Argentinier statistisch jährlich 49 kg verdrückt... 

Da die Stadt Rosario den größten Teil des Ballungsraums einnimmt gibt es wenig Vorotverkehr. Dieser wird weitgehend von Rosario Bus und deren Tochtergesellschaften betrieben. Das Unternehmen entstand 2001 aus dem ehemaligen Trolleybusbetreiber Empresa Martin Fierro durch Übernahme einiger kleinerer Betriebe. Von den Stadtbussen lassen sich die Vorortbusse grundsätzlich durch die gelbe Farbgebung unterscheiden, allerdings kommen bisweilen auch gelbe Busse auf den Stadtlinien zum Einsatz. Etliche Vorortlinien sind Durchmesserlinien, die anderen starten und enden am Busterminal, der 2010 aus dem in den 50er Jahren stillgelegten ehemaligen Hauptbahnhof mit seinem prägnanten Turm entstand.

MB O500U mit Nuovobus-Aufbauten werden bei Rosario Bus gerne eingesetzt. Im Unterschied zu den Stadtbussen haben die Vorortbusse meist nur zwei Türen und sind hochflurig.
 
Eines der Tochterunternehmen ist America Trransporte Automotor, hier kommen auch MB/La Favorita zum Einsatz, so wie 3035 vor dem Busterminal.

Ebenso bei America im Einsatz ist VW 17.230/Metalpar Tronador 2 4070 mit Frontmotor.

Ein weiteres Rosario-Bus-Unternehmen ist Continental Transporte Automotor, deren Wagen 4061 trägt noch Logos im alten Konzerndesign.


Weiter ins Umland fährt Tata Rapido, dabei kommen auch Doppeldecker wie Wagen 35, ein Marcopolo Paradiso 1800 G7 auf MB O500RSD zum Einsatz, abgelichtet am Busterminal. 


Ebenfalls im Bestand von Tata Rapido ist MB OH1826/Italbus Tropea IV MD Nummer 37. 


Kleinere Unternehmen fahren in Rosario Schul- und Sonderfahrten, dafür kommen oftmals auch Busse mit Linienkarrosserie zum Einsatz, wie dieser Metalpar Tronador 1 auf MB 1618. 

Mittwoch, 10. Dezember 2025

Nummer eins von drei: Trolleybus Rosario

In Südamerika gibt es aktuell drei aktive Trolleybussysteme, die ich alle im März besuchen konnte. Das erste befindet sich in Rosario und hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Eröffnet 1959 mit 21 MAN/Kässbohrer MKE2, die ursprünglich nach Buenos Aires geliefert worden waren wurde der Betrieb relativ rasch auf drei Linien erweitert. 1979 verkaufte die Stadt den Trolleybusbetrieb an das Unternehmen Empresa Martin Fierro (EMF), das das Netz zunäscht modernisierte, 1992 mit dem Verlust der städtischen Konzession aber einstellte. 1994 wurde die wichtige Ost-West-Linie K schließlich wiedereröffnet, zunächst unter einem privaten Konsortium, ab 2004 dann unter der städtischen Sociedad del Estado Municipal para el Transporte Urbano de Rosario (SEMTUR). Diese fusionierte mit der gemischtwirtschaftlichen Empresa Mixta de Transporte Rosario S.A. (EMTR) 2017 zu MOVI.

Zur Wiedereröffnung 1994 konnte man günstig 20 Volvo/Marcopolo/Powertronics-Solo-Obusse aus Brasilien übernehmen, die 1988 für ein nie eröffnetes System in Belo Horizonte gebaut worden waren. Bis auf einen wurden diese in den 2010er Jahren u.a. mit einer neuen Front modernisiert. 2016/17 kamen aus Russland insgesamt 12 TROLZA Megapolis 5265-Batterieobusse, damit wurde eine neue Linie Q eröffnet, die teilweise im Batteriemoduns befahren wurde. Da sich die TROLZAs nicht bewährten, wurde diese Linie 2023 eingestellt. Stattdessen begann MOVI in eigener Werkstatt einen MB OH1618L-SB vom Baujahr 2011 zum Trolleybus umzubauen. Dieser Umbau war so erfolgreich, dass in den kommenden Jahren alle Altwagen durch Umbau-Trolleys ersetzt werden sollen.

Der einzige Volvo/Marcopolo, der noch im Originalzustand ist, ist Wagen 8, der hier gerade an der zentralen Plaza Sarmiento hält. Dieses Fahrzeug soll in jedem Fall als Museumswagen erhalten bleiben.

Wagen 17 hat dagegen die Modernisierung durchlaufen und präsentiert sich mit neuer Front, er trägt wie die meisten seiner Artgenossen noch die grau/orangen SEMTUR-Farben.

Wagen 12, der abweichend mit Falttüren ausgestattet ist, präsentiert sich dagegen schon im MOVI-Blau auf der Avenida Mendoza. 

Die TROLZAs sind dagegen alle blau, Wagen 24 an der Plaza Sarmiento. Diese Fahrzeuge sind in einem deutlich schlechteren Zustand als die Volvos.

Ein weiterer umgebauter Metalpar neben dem oben abgebildeten 35 ist Wagen 36, auch er steht an der Plaza Sarmiento.

Höchstnummerierter gesichteter Umbauwagen im März 2025 war Wagen 37, der stolz seine lokale Herkunft verkündet. Inzwischen ist man wohl schon bei Nummer 42. Geplant ist ein Bestand von über 20 umgebauten Metalpars. 

Montag, 8. Dezember 2025

Rosario - Welthauptstadt des Fußballs!?

Das behauptet zumindest Wagen 4527 von Rosario Bus. Ziehen tut so eine Aussage im fußballverrückten Argentinien natürlich immer, aber tatsächlich haben viele berühmte Fußballer, u.a. Weltmeistertrainer César Menotti und Superstar Lionel Messi ihre Wurzeln hier. Ansonsten ist die Stadt in der Provinz Santa Fe am breiten Rio Paraná rund 300 km nordwestlich der Hauptstadt mit 950.000 Einwohnern die drittgrößte des Landes und ein wichtiges Industriezentrum, nicht zuletzt wegen des durch Hochseeschiffe erreichbaren Hafens. Gegründet wurde die Stadt 1751, 1812 hisste Unabhängigkeits-General Manuel Belgrano (ja, genau der von dem Meterspur-Bahnnetz 😉) hier erstmals die blau-weiß-blaue Nationalfahne, woran heute ein monumentales Denkmal am Flußufer erinnert. 
 
Anders als die anderen Ballungsräume in Argentinien reicht der von Rosario nur minimal über die Stadtgrenzen hinaus, weshalb der ÖPNV auch weitgehend städtisch organisiert ist. Verantwortlich ist die städtische Ente de la Movilidad, die rund die Hälfte der 52 Buslinien selbst über ihre Tochtergesellschaft MOVI Rosario betreibt. Der Rest der Linien wird - siehe oben - von Rosario Bus, deren Tochter Azul SATA wir ja schon aus Buenos Aires kennen, bedient. Die Nummerierung der Linien ist ziemlich chaotisch, einige Linien sind mit mehreren Nummern zu einer Linie zusammengefasst, von anderen gibt es wiederum eine "rote" (roja) und eine "schwarze" (negra) Variante. Die auf den Stadtlinien eingesetzten Busse tragen eine hellblaue Farbgebung.
 
Der MOVI-Fuhrpark besteht zu großen Teilen aus Fahrzeugen mit Metalpar Iguazu-Aufbau, so wie Wagen 1264 auf MB 1618L-SB, aufgenommen am Busbahnhof.

 
2017 kamen insgesamt 62 Iguazu in der facegelifteten Variante auf VW 18.280 OT-LE-Chassis in Betrieb. Wagen 394 aus dieser Serie ist auf der Linie 102 Rot unterwegs.


2023 kamen weitere VW 18.280 OT LE zu MOVI, diesmal allerdings mit Todobus Retiro Aufbau, wie Wagen 323.

Einige Exoten finden sich auch im MOVI-Fuhrpark, so wie Wagen 1104, ein MB OH1618L-SB mit Bimet Corbus-Aufbau, unterwegs im Stadtteil Siberia.

Ebenfalls in Siberia abgelichtet:Wagen 184, ein Agrale MT17/Nuovobus Menghi 

Die Stadtbusflotte von Rosario Bus ist etwas abwechselungsreicher, 3281 ist ein MB O500U/Nuovobus, er steht hier an der zentralen Plaza Sarmiento.

Verbreitet sind auch O500U mit La Favorita Favorito GR II-Aufbauten, wobei Rosario Bus bei etlichen keinen Frontgrill montieren hat lassen. Wagen 3525 überquert hier die Gleise der Mitre-Bahnlinie auf der Avenida Mendoza.

Den Favorito GR II gibt es auch auf VW 18.280 OT LE, so wie Wagen 3868. Man beachte auch den dahinter fahrenden PKW, in Argentinien durchaus ein alltäglicher Anblick.

Die neuesten Stadtbusse bei Rosario Bus sind 60 2024/25 gelieferte MB OH1721L/Nuovobus Cittá, von denen dieser die Nummer 4688 trägt.