Mittwoch, 13. Mai 2020

Ottawa: Vom Holzfällerlager zur Hauptstadt

Als Queen Victoria an Silvester 1857 das gerade erst zur Stadt erhobene Holzfällerlager Ottawa am gleichnamigen Fluss zur Haupstadt Kanadas machte, dachten viele Kanadier, insbesondere in den Metropolen Toronto, Kingston, Quebec und Montréal an einen schlechten Scherz. Im Nachhinein erwies sich die Entscheidung aber als weise, denn nicht nur war Ottawa sicher vor US-amerikanischer Artillerie, sondern es liegt auch direkt an der Grenze der beiden Sprachregionen. Heute ist Ottawa nach der 2001 erfolgten Eingemeindung etlicher Vororte fast eine Millionenstadt auf einer riesigen Fläche. Direkt an der Mündung des Rideaukanals in den Ottawa River liegt die Innenstadt mit dem im durch und durch britischen Stil gehaltenen Regierungsviertel auf einem Felsvorsprung. Nennenswerte Großindustrie gibt es nicht, Ottawa ist vor allem Verwaltungs- und Technologiemetropole. Die Stadt liegt zwar in Ontario, ist aber komplett zweisprachig.

Für den ÖPNV in der Stadt zuständig ist Ottawa-Carleton Regional Transport Commission, kurz OC Transpo. Der Name spiegelt noch die vormalige Stadtregion Ottawa-Carleton wider, die 2001 mit den elf Gemeinden zu einer Metropolkommune zusammengelegt wurde, die nur noch City of Ottawa heißt. OC Transpo betreibt mit knapp 1.000 Fahrzeugen über 190 Linien, davon etliche nur in den Spitzenzeiten. 

Ottawa war einer der Vorreiter in Sachen Bus Rapid Transit (BRT). Von 1983 bis 1996 wurden nicht weniger als 31 km separate Bustrassen, sog. Transitways mit hochwertigen Stationen, Überholmöglichkeiten und einer weitgehend kreuzungsfreien Trassierung fertiggestellt. Wo dies nicht möglich war, wie etwa in der Innenstadt, gibt es wenigstens separate Busspuren. 
 
Vom Oberdeck eines Enviro 500: Blick auf den Transitway und die Station Westboro.

Diese Angebotsverbesserungen sogrten für eine sehr hohe ÖPNV-Nutzung in Ottawa, so dass auf den Transitways die Busse im Minutentakt und rund um die Uhr im Einsatz sind. Zudem ist der Gelenk- und Doppelstockbusanteil bei OC Transpo für nordamerikanische Verhältnisse sehr hoch. Seit meinem Besuch wurde ein Teil der Bustrassen östlich der Innenstadt zu einem Stadtbahnsystem umgebaut, das im September 2019 eröffnet wurde.  

OC Transpo war der größte Kunde für den New Flyer Invero D40i. Von 2003 bis 2007 wurden insgesamt 326 Exemplare beschafft. Auf der Wellington Street vor dem Parlament ist Invero 4459 zu sehen.

Invero 4461 steht hier am Confederation Square
Nach den Inveros folgten 177 Orion VII 07.501 Hybrid, hier 5042 auf der Albert Street.
Der Gelenkbusanteil bei OC Transpo ist aufgrund der hochen ÖPNV-Nachfrage entsprechend groß. Alle Gelenkbusse kommen von New Flyer, die älteren, wie 6374 ... 
... und 6393 sind noch vom Typ D60LF.

Bei weitem den größten Anteil stellen aber die facegelifteten D60LFR, von denen 2010/2011 nicht weniger als 305 Stück geliefert wurden, die insbesondere auf den Transitway-Linien zu sehen sind.
Seit 2012 setzt OC Transpo bei den Großraumfahrzeugen auf Doppeldecker von ADL. Inzwischen befinden sich 179 Enviro 500 im Bestand. 8041 trägt noch die Original-Enviro-Front und ist hier gerade auf der Mackenzie King-Brücke im Stadtzentrum unterwegs.

Gleiche Stelle, andere Richtung: Enviro 8075 mit dem Shaw Centre im Hintergrund.

Gerne werden die Doppeldecker auf den im 200er-Bereich nummerierten Pendlerlinien eingesetzt. 8129, schon in der MMC-Version, verlässt hier den Transitway-Verknüpfungspunkt Tunney´s Pasture, wo inzwischen die Stadtbahn endet.  

Das einzige SPNV-Angebot war zum Zeitpunkt meines Besuchs die O-Train-Linie 2, die auf einer Güterbahnstrecke eine westliche Tangentialverbindung bietet. Zum Einsatz kommen Alsthom LINT 41, die Fahrzeuge entsprechen bis hin zu den Sitzbezügen den baugleichen Typen von DB Regio. Zug C5 an der Station Carling. 

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